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Dienstag, 8. Juli 2014

Sind die Ballwascher in Winston Links wirklich besser als auf dem Old Course in St. Andrews?

Wer hier gelegentlich landet wird bemerkt haben, dass ich auch ein großer Freund von Golfplatz-Rankings bin. Sobald irgendwo ein neues Ranking verfügbar ist, besorge ich es mir. Sei es bei den großen Golfmagazinen in den USA oder in UK, selbst die (etwas seltsamen) Rankings im deutschen Golf Magazin nehme ich zur Kenntnis. Und natürlich auch das bisher für mich objektivste deutschsprachige Ranking im Golf Journal habe ich wohlwollend zur Kenntnis genommen. Bis zum 29. Juni diesen Jahres. Seit dem Datum zweifele ich an der Qualität der Rankings im Golf Journal.

Ballwaschanlage Mitte unten auf Winston Links. Dafür kann es keinen Bonus gegeben haben...
Grund dafür war die Meldung, daß Winston Links vor dem Old Course in St. Andrews plaziert ist. Nun denn. Der Sache wollte ich auf den Grund gehen und besorgte mir die Juli Ausgabe des Golf Journals. Und tatsächlich. In dem Ranking der besten Golfplätze in Europa (bei dem die Idee an sich toll ist) stand Winston Links vor dem Old Course. Ich dachte mir, OK, die werden wohl einen Grund für die Platzierung haben. Sofort eine Mail an die Redaktion mit der Bitte um etwas mehr Details. Ich wollte einfach nur den Grund verstehen. Selbstverständlich kann ich mit meinen bisher gespielten knapp 350 Plätzen nicht mit der Erfahrung der zu Rate gezogenen Experten mithalten, aber irgendwie meine ich schon, mir ein Bild machen zu können und vergleichen zu können. Ach ja. Ich habe nach einer Woche immer noch kein Feedback der Redaktion bekommen. Schade eigentlich...

Hinter der schönen Kiste ist die Ballwaschanlage. Ist doch nett. Oder? :-)
Nun aber zurück zum Thema. Winston Golf ist ein guter, aussergewöhnlicher Platz in Deutschland. Aber bester deutscher Platz in Europa und besser als der Old Course? Ich weiß nicht so recht. Ich habe mal versucht, den Grund zu ermitteln und dazu die Kriterien des Golf Journal genutzt.

Anspruch: OK. Der Old Course ist nicht der schwerste Platz der Welt von Gelb, wenn man auf dem Fairway bleibt und das Wetter gut ist. Aber ist das wirklich wichtig, um einen Platz unter den "besten" zu platzieren? Ich denke nein. Denn schwere Plätze zu bauen ist nicht schwer. Das kann fast jeder... Die Kunst besteht eher darin, einen Platz für jeden gut spielbar zu machen, für Erfolgsergebnisse für den Spieler zu sorgen und gleichzeitig die besten herauszufordern .

Design: Ganz ehrlich. Auch wenn ich die Einzelwertungen nicht kenne, das kann es nicht sein. Den Old Course als das Beispiel für Golfplatzdesigner in aller Welt und Template Holes wie dem Eden Hole mit Winston Links überhaupt zu vergleichen ist für mich schon fast ein Frevel. Das Design des Winston Links ist nett, aber nicht großartig. Aussergewöhnlich sind die spitzen Sandberge, die überhaupt nicht in die Mecklenburger Landschaft passen. Aber so etwas passt auch in keine andere Region, in der Linskkurse der Normalfall sind. Spitze Kegelberge sind nicht unbedingt ein Synonym für einen Linkskurs.

Kulisse: OK. Darüber kann man streiten. Der Old Course lebt für viele von den Bildern, die jeder Golfer aus Magazinen im Kopf hat. Aber man darf den Platz eigentlich nicht auf das Clubhaus des R&A, die Swilcan Bridge und das Road Hole reduzieren. Der Herr Maiwald hat dazu im Bericht einen schönen Kommentar geschrieben, der viel Wahres enthält. Aber was ist an der Kulisse des Winston Links so herausragend? Der Wald, den man so oft sieht und auf den ersten 9 auch streift? Das kann es nicht sein. Die schon angesprochenen Kegelberge? Auch nicht. Gut. Gelegentlich fliegt die RAF über den Old Course. Aber wer erlebt das schon?

Service: Vielleicht ist es das. Obwohl beim Old Course eigentlich alles da ist, was man sich wünscht. Es gibt eine sehr gute Range (OK. Die ist etwas entfernt), es gibt ein großartiges Putting Grün beim Loch 1 des Old Course. Kann es auch nicht sein. Vielleicht sind es die Ballwaschanlagen. Aber dort sind ganz objektiv die Geräte beim Old Course viel schöner! Vielleicht sind es die fehlenden Umkleidekabinen. Ins R&A Clubhaus kommt man ja nicht hinein. Wer sich aber etwas vorbereitet, geht zum Clubhaus des Links Trusts. Da kann man sich auch umziehen. Und für ein Getränk nach der Runde ist die Auswahl an unterschiedlichen Lokalen nirgends größer als in der der Nähe des Loch 18 des Old Course.

Nun denn. Genug ausgelassen. Am besten ist es natürlich, wenn sich jeder ein eigenes Bild der beiden Plätze macht. Das ist sowieso immer das beste. Ansonsten freue ich mich über Kommentare von allen, die schon beide Plätze gespielt haben.

P.S.: Was der Nord Course von Green Eagle überhaupt in der Liste verloren hat (Platz 99), wird mir ein ewiges Rätsel bleiben...

Montag, 23. Juni 2014

No Dogs, no Ladies - ist das noch die Realität?

Seitdem der Augusta National Golfclub 2 Damen als Mitglieder aufgenommen hat, ist der Druck nun seit einigen Monaten auf dem R&A, doch mal endlich Damen aufzunehmen, oder wenigstens (ausser bei 2 offiziellen Veranstaltungen pro Jahr) ins Clubhaus zu lassen. Die Welt ändert sich und im September stimmen die knapp 2400 Mitglieder ab, ob man nun vielleicht doch Damen als Mitglieder zulässt. Mal sehen, ob man eine Zweidrittelmehrheit zur Aufnahme von Damen zusammenbekommt... Diese Diskussion hat mich veranlasst, während unserer Tour nach Schottland etwas mehr auf die Bedeutung von Damengolf in Schottland zu achten.

Ladies Golf Clubs

In Schottland gibt es etliche Ladies Golf Clubs. Einige davon spielen auf dem Platz der Herren, wie der Elie & Earlsferry Ladies GC. Die spielen auf dem Platz der Männer mit, haben aber einen eigenen Bereich im Clubhaus. Treffen tut man die Herren dann in der Mixed Lounge... Der jeweilige eigene Clubbereich ist für das andere Geschlecht tabu. Dann gibt es Damenclubs, die ein eigenes Clubhaus und auch einen eigenen Platz haben. Das ist beispielsweise im Lundin Ladies Club der Fall. Sonderfall ist dann der St. Regulus Ladies Golfclub in St. Andrews. Die haben, genauso wie der R&A und die anderen 6 Golfclubs in St. Andrews, keinen eigenen Platz, aber immerhin ein eigenens Clubhaus. Übrigens sagte uns ein Einheimischer während einer Golfrunde zum Thema Damen im R&A, dass doch erst mal die Damenclubs in St. Andrews Herren aufnehmen sollen...

Clubhaus des St. Andrews Ladies Putting Club
Ladies Golf Union

Wer schon einmal in UK war, dem fiel auf, dass es auf den Abschlägen auch meist eine offizielle Entfernung gibt, so wie in Deutschland die Marken, die von DGV kommen. In Uk sind Damen und Herren getrennte Golfverbände. Und beide vergeben auf eigene Courseratings für jeweils Damen und Herren. Wer mal auf der Insel ist, sollte einfach mal auf die Damenabschläge achten. Diese sind meist von der LGU (Ladies Golf Union) gekennzeichnet. Übrigens gibt es in UK vier Golfverbände für die Herren (für jedes Land einen) und nur einen für die Damen.

Eingangsbereich der Ladies Golf Union in St. Andrews. Man beachte die Schuhe... :-)
Golfshops für Damen

Nicht nur für Männer sind gute Golfshops wichtig. Auch Damen gehen gerne mal shoppen. Bezüglich Golf gibt es in Schottland etwas, was ich bei uns bisher nicht gesehen habe. Golfshops nur für Damen. In Edinburgh habe ich zwei gesehen und in St. Andrews gibt es auch einen. Fand ich nicht schlecht. Und der Reisegolferin gefiel so etwas natürlich auch... :-)

In St. Andrews gibt es für die Damen übrigens auch ein eigenes Old Course Logo...

Ladies Golfshop in St. Andrews
Ach ja. Auch wenn der R&A sich im September dafür entscheidet, Damen aufzunehmen, gibt es bei den Clubs, auf deren Platz die Open Championships stattfinden, immer noch 3, die keine Damen als Mitglieder zulassen. Muirfield, Troon und Sandwich. Vielleicht kommen die ja auch irgendwann in der neuen Zeit an.

Und ein Schild "No Dogs, no Ladies" habe ich während meiner zahlreiche UK Besuche nur in Souvenirshops gesehen. Bei Golfclubs noch nie. Das ist eine lebende Legende...

Montag, 2. Juni 2014

TOC - The Old Course in St. Andrews. Fakten, Tipps und Erlebnisse

Nahezu jeder Golfer träumt davon, einmal in seinem Leben den Old Course in St. Andrews zu spielen. Ende April haben wir uns diesen Traum erfüllt und standen morgens um 07.00 Uhr auf dem ersten Abschlag. Ich möchte in diesem Post meine Erlebnisse wiedergeben, Tipps geben um an eine Startzeit zu kommen und ein paar interessante Fakten auflisten.

Vor dem Start...
Im Januar suchte ich ein Ziel für die jährliche Golfreise unserer kleinen Dreiergruppe auf den britischen Insel. Bei meinem regelmässigen surfen im Netz nach Golfnews kam mir eine kleine Meldung des Linkstrust (Betreiber der Plätze in St. Andrews) in die Finger. "Old Course tee times available for April". Da ich immer im Glauben war, dass die für "Jedermann" verfügbaren  Startzeiten immer schon im Herbst des Vorjahres weg sind, erregte diese Meldung meine Aufmerksamkeit. Ich also kurz auf die Website von St. Andrews und geschaut, was dort steht. Und tatsächlich. Dort stand, dass es noch Reststartzeiten für April gibt. Dazu muss man nur ein Onlineformular mit den Wunschtagen und dem zweiten Platz, den man dort spielen möchte, ausfüllen. Den Old Course kann man nämlich über den offiziellen Weg nicht alleine buchen. Es muss immer mindestens einer der anderen 6 Kurse im Ort dazu gebucht werden. Schon am selben Tag kam die Bestätigung für den 30.04.. Die Startzeit um 07.00 war für mich überhaupt kein Problem. Ich hatte relativ leicht eine Startzeit bekommen. Wenn das Leben immer so einfach wäre, wie die Buchung einer Startzeit für den Old Course... Natürlich kann man als Einzelspieler auch jeden Tag in die Auslosung gehen. Aber so ein Erlebnis habe ich gerne zusammen mit Nicole!

Grün Loch 7. Die tiefe Rinne vor dem Grün sollte man vermeiden...
Danach ging es dann an die Organisation des Rests der Reise. Das war dann schon etwas komplizierter... Nach ein paar Tagen hatte ich dann aber alles beisammen. Ein kleines Haus für 4 Personen 250 Meter von Tee 1 des Old Courses entfernt, einen Flug nach Aberdeen mit KLM (im Flying Blue Club kann man Golfgepäck kostenlos mitnehmen) und einen Kombi für die Woche, der auch unser Gepäck aufnehmen konnte.

Der doch etwas größere Shell Bunker vor der 7
Nachdem wir zum "Einspielen" Anstruther, Kingsbarns und den Eden hinter uns hatten, wurde es am Mittwochmorgen ernst. Unsere Runde auf dem Old Course begann. Wecker um 05.00, Frühstücken und um 06.30 waren wir am Starterhaus. Dort standen schon knapp 40 Leute (Spieler, Caddies und sogar schon Zuschauer). Bei der Anmeldung beim Starter musste ich das erste Mal in 10 Jahre UK Golfurlaube (das war knapp der 110te Platz, den ich dort gespielt habe, einen Handicapnachweis vorlegen. Zum Glück habe ich den immer in meiner Geldbörse (man weiß ja nie, wer mal fragt... :-) ). Habe dann mal freundlich gefragt, warum man dies denn von mir sehen möchte. Hätte ich noch nie in UK gehabt. Die Antwort war recht interessant. Bis vor 2 Jahren hatte man zwar eine Handicapbeschränkung von 24 für Herren und 36 für Damen, aber eigentlich nie gefragt. Nachdem immer mehr Touristen Startzeiten buchten, die vorher noch nie einen Schläger in der Hand hatten, entschied man sich zum vorzeigen lassen der Zertifikate (so etwas wie eine DGV Karte gibt es nicht überall). Nachdem alles andere erledigt war, die obligatorischen Fotos gemacht waren, und wir unseren Mitspieler Brett vorgestellt wurden, ging es irgendwann los. Ich durfte vor knapp 40 Leuten den ersten Abschlag auf dem Old Course machen.

Admirals Bunker auf der 12. Vom Tee aus nicht zu sehen...
Ich gebe zu, ich war lange nicht mehr so nervös beim ersten Abschlag wie an diesem Morgen. Das Fairway ist zwar wahnsinnig breit, aber als geborener Slicer, der gelegentlich einen Extremhook raushaut, hat man schon Respekt. Zum Glück gelang allen im Flight der Abschlag, was die Sache etwas relaxter angehen ließ. Der zweite Schlag sagte dann schon etwas mehr über die unterschiedliche Strategie der Spieler im Flight aus. Nicole und ich legten vor (wer es nicht weiß, vor dem Grün ist ein tiefer Wassergraben, der Swilcan Burn) und die anderen beiden griffen an. Brett landete im Rough hinter dem Grün und unser Rüdi machte schnell Bekanntschaft mit dem Swilcan Burn. Der Rest war für Nicole und mich recht einfach. Ein Chip und 2 Putts. Der sichere Bogey war unser...

Der berühmte Hell Bunker. Jack Nicklaus brauchte 1995 4 Schläge, um rauszukommen...
Ich möchte hier jetzt nicht jedes einzelne Loch beschreiben. Das können andere besser. Ich kann nur meine gesamten Eindrücke wiedergeben. Der Old Course ist ein Platz in den Dünen, der einem bei fast jedem Loch verschiedene Optionen anbietet. Aber grundsätzlich ist es nie falsch, sich etwas links zu halten... Wir hatten zum Glück Brett dabei. Brett betreibt die Bar beim 1 Golf Place (150 Meter vom R&A Clubhouse) und kannte den Platz als Einheimischer fast auswendig. Seine Tipps waren Gold wert. Aber die Richtung angezeigt zu bekommen und dort hinspielen sind für mich 2 verschiedene Dinge. Der Old Course ist hauptsächlich ein recht flacher Platz mit vielen Bunkern. Knapp 110 soll es davon geben. Alle haben einen Namen und am bekanntesten sind der Hell Bunker an der 14 und der Road Bunker an der 17. Zum Glück habe ich nur knapp 4 mal in Bunkern gelegen... Und Hell und Road konnte ich vermeiden. Die Fairways sind aus meiner Sicht meist breit genug, da es sich oft um Doppelfairways handelt. Genauso wie die riesigen Doppelgrüns teilen sich viele Löcher hier Fairways und die Grüns. Daher ist links spielen meist immer gut, ausser an der 9 und 10. Die Doppelgrüns sind für mich der Hauptcharakter. Es gibt 7 davon. Wenn man die Nummer des Löcher addiert, kommt man immer auf die Zahl 18. 2 und 16, 3 und 15, 4 und 14 u.s.w. Nur die 1, die 9, die 17 und die 18 haben ein eigenes Grün. Um sich die Größe der Grüns vorstellen zu können, gibt es einen schönen Vergleich. 1 Doppelgrün kann 6 Grüns von Pebble Beach aufnehmen...

Das Brückenfoto!
Nach etwa 3 Stunden und 40 Minuten waren wir dann auf dem Abschlag der 18. Ist auch ein tolles Gefühl, wenn man in Richtung der Fahne des letzten Lochs schlägt. Nachdem die Runde beendet war, begann kurze Zeit später der für den Mittag angekündigt starke Regen, der bis zum nächsten Morgen durch ging. Was hatte wir doch für ein Glück. Noch ein Getränk im Pub von Brett und die Old Course Erfahrung war vorbei. Für Interessierte habe ich noch ein paar Fakten über den Kurs und seine Geschichte aufgelistet:
  • Länge des Kurses von Gelb: 6387 Yards
  • 2 Par 5, 2 Par 3 und 14 Par 4
  • Der Old Course ist ein öffentlicher Golfplatz, der der Gemeinde St. Andrews gehört
  • ca. 110 Bunker. Alle mit eigenem Namen. Bei seinem Sieg in 2000 war Tiger Woods nicht in einem Bunker. Immer noch einmalig...
  • wenn man die Nummer der zum jeweiligen Doppelgrün gehörigen Löcher addiert, kommt man immer auf 18...
  • Knapp 40.000 Runden werden pro Jahr zwischen April und November gespielt (das ist viel!)
  • Sonntags kann man nicht spielen auf dem Old Course (ausser man ist im Final der Open oder der Dunhill Links Championships...)
  • Bis 1890 gehörte das Land der Familie des Lord of Strathtyrum (Mr. Cheape), die mit dem Verkauf ein Spielrecht für seine Familie für alle Zeiten und alle Plätze in St. Andrews erwarb. Leider waren es irgendwann 6 Plätze und theoretisch hätte ein Familienmitglied während der Open kommen können und sein Spielrecht einfordern können... :-)  1992 verkaufte die Familie Cheape ihr Spielrecht für 245.000 Pfund
Fazit: Wer die Gelegenheit hat dort zu spielen, sollte diese mindestens einmal im Leben nutzen

Reisegolfer-Rating: 9

Buchempfehlung über den Old Course: The Evolution of the Old Course. Rezensiert und empfohlen vom Linksgolfer. Fakten und interessante Geschichten über den Old Course

Mittwoch, 28. Mai 2014

Golf House Club - Elie

Wenn ich eine Golfreise mache, habe ich mir angewöhnt, auch wenn ich jeden Tag spielen möchte, nicht für jeden Tag etwas im Voraus zu buchen. Aufgrund des gelegentlich wechselhaften Wetters auf den Britischen Inseln hat sich dies in der Vergangenheit auch bezahlt gemacht. Auch für die Woche in St.Andrews hatten wir nur den Old Course und den Eden Course reserviert (man kann nicht nur den Old Course alleine vorbestellen). Da blieb uns natürlich einiges übrig an Tagen, die wir mit Golf füllen konnten. Für den letzten Tag fiel unsere Wahl nach einiger Überlegung und auch verfügbarer Startzeit auf Elie.

Grün, Loch 10. Im Hintergrund der Bass Rock.
Wir hatten genug Zeit, aber trotz Navi konnten wir den Club beim ersten Anlauf nicht finden. Das Navi hatte den Kurs nicht in der Auswahl und ich wollte mich nach meinem Gedächtnis richten, da ich immer, bevor ich irgendwo hinfahre, mir das ganze auf einer der verfügbaren Karten anschaue. Irgendwann hatten wir das Clubhaus gefunden und auch herausgefunden, warum ich den Golf House Club nicht im Navi finden konnte. Ganz einfach. Dort gab es nur den Elie & Earlsferry GC. Und den hatte ich nicht mit dem von uns gesuchten Club in Verbindung gesetzt. Mit ein wenig forschen fand ich heraus, dass der Golf House Club bis 1875 unter dem oben genannten Namen lief. Erst mit dem Bau eines Clubhauses bekam der Club den heutigen Namen. Warum man aber den Club nicht unter diesem, nun nicht mehr ganz so neuen Namen, im Navi eintragen konnte, ist mir auch ein Rätsel. Naja. Wir waren dann doch da.

Am Periskop
Das besondere an diesem Club zusätzlich zu der sehr schönen Szenerie des Platzes ist das Periskop am Abschlag von Loch 1. Zu Beginn der Runde hat man hier einen blinden Abschlag über einen Hügel. Man sieht absolut nicht, ob vor einem frei ist, oder ob sich noch jemand in Schlagweite befindet. 1966 nutzte ein Mitglied die Gelegenheit und erwarb bei der Verschrottung des U-Bootes HMS Excalibur das Periskop und spendete es dem Club. Seitdem ist es der zentrale Punkt des Starterhauses und niemand darf abschlagen, bevor man die Freigabe vom Starter bekommt. Netterweise hat uns der Starter das Periskop erklärt und uns mal durchsehen lassen. Irgendwie klasse so ein Teil. Man kann in alle Richtungen sehen. Hat was.

Loch 1 mit Starterhaus und Periskop
Die Runde dort ist übrigens auch sehr zu empfehlen. Man spielt einen klassischen Linkskurs, der alles bietet, was man sich wünscht. Höhepunkt für mich waren ganz klar die Löcher 10-14. Immer Blick auf den Firth of Forth. Schräg gegenüber ist der Bass Rock (den man immer von North Berwick aus sieht). Zudem ist die grün bewachsene Felsküste alleine den Besuch wert. Erwähnenswert ist auch, dass der Platz (Par 70) aus 16 Par 4 und 2 Par 3 Löchern besteht. Hatte ich so auch noch nicht. Umgerechnet war der Platz knapp 5600 Meter lang. Was für ein Par 70 ok ist. Ich habe den Platz auf jeden Fall sehr genossen.

Blick über Loch 12 und 13
Nach der Runde ging es dann für Nicole in den abgetrennten Ladies Golf Club (Ja. Strikt getrennt) und für die Herren ging es in den "normalen" Clubteil. Nach der Dusche traf man sich dann in der Mixed Lounge :-) . Ist schon anders hier... Dazu und zu Ladies Golf in Schottland im allgemeinen gibt es später in einem separaten Bericht mehr.

Fazit: Muss in jede St. Andrews Woche rein (die Reisegolferin fand den Platz schöner als den Old Course)

Reisegolfer-Rating: 7

Link zur Website mit allen Informationen

Dienstag, 20. Mai 2014

Golfen in St. Andrews - Der Eden Course

Wenn man eine Runde auf dem Old Course im Voraus buchen möchte, muss man mindestens einen anderen Platz dazu buchen. Ich hatte mich für den Eden Kurs entschieden. Gründe waren, dass ich für die anderen Plätze schon genug für Greenfee ausgeben wollte, es sich um einen Kurs von Harry Colt handelt und der Platz in diesem Jahr hundertjähriges feiert. Und eigentlich gefielen mir bisher alle Plätze, die ich von Harry Colt gespielt hatte.

Abschlag der 4 mit Blick auf die Eden Mündung
Der Eden Course wurde von Harry Colt designed und wurde 1914 fertigestellt. Grund für den Bau war der wachsende Bedarf nach Links Golf in dem immer populärer werdenden St. Andrews. Der Platz grenzt östlich an den Back Nine des Old Course. Der Originalplatz ging sogar bis zum Abschlag des Road Hole. In den 80ern hat man den Kurs aber umgebaut, um Platz schaffen für den heute großzügigen Übungsbereich des St. Andrews Links Trusts. 

Grün Loch 12
Der Eden Kurs ist ein klassische Linkskurs, der richtig Spass macht. Er bietet alles, was man sich von einem Linkskurs erhofft. Blinde Schläge, tiefe Topfbunker (die man vermeiden sollte), ondulierte Fairways, Ginsterbüsche und sehr gute Grüns. An einigen Löchern hat man auch Meerblick, was aber hier nicht das wichtigste ist. Erwähnenswert sind die zwei Par 3 der Löcher 5 und 8. Hier spielt man über Kreuz! Wer also das Grün der 5 anspielt, kreuzt die Flugbahn der 8 und umgekehrt. Kannte ich so auch noch nicht... An der 14 und an der 15 denkt man dann wieder, man ist auf einem Parklandplatz... Die Löcher 13-16 hatte man dazugefügt, als man vor knapp 30 Jahren die Range bauen musste und die ürsprünglichen Löcher 1, 2, 17 und 18 ersetzt werden mussten. Auch wenn sie ganz nett sind. merkt man irgendwie, dass diese neuen Löcher auf einem ehemaligen Kartoffelacker gebaut wurden...

Fazit: Netter Linkskurs, der bei den Locals sehr beliebt ist und nicht so teuer ist.

Reisegolfer-Rating: 5

Mittwoch, 14. Mai 2014

Kingsbarns Golf Links - Qualität hat seinen Preis

Seitdem ich in meinem ersten Jahr in London 2005 das Buch "Scottish Golf Links" in den Händen hatte, war ich irgendwie angefixt von den Bildern, die dort zu dem damals neuen Platz in der Nähe von St. Andrews gezeigt wurden. Kingsbarns bietet von jedem Loch Blick auf die Nordsee, einen natürlich aussehender Linkskurs, Ginsterbüsche und schöne Dünen. Bei so etwas schlägt mein Herz sofort höher. Dazu die jährlichen Bilder der Dunhill Championships, die auch immer in Kingsbarns stattfinden.

Sehr gut geschütztes Grün
Dieses Jahr ergab sich bei dem Trip nach St. Andrews die Möglichkeit, den von Kyle Phillips entworfenen Kurs zu spielen. Der von kalifornischen Investoren erbaute Platz ist nicht der günstigste Platz in der Gegend, daher hatte ich nichts reserviert. Ich wollte vor Ort abwarten und nach Wettervorhersage entscheiden. Sonntag vormittag sah es dann gut aus für den nächsten Tag und wir fuhren persönlich vorbei, um zu buchen. Alles kein Problem und wir hatten eine Startzeit für 11.00 Uhr. Da mein Rücken zwickte und ich auch immer Bilder mache, hatte ich mir sogar einen Caddie bestellt.

Grün Loch 12
Die Anlage bietet hervorragenden Kundenservice, den man sonst eher von US-Kursen kennt. Überall will jemand helfen. Auf der Range Pyramiden von nagelneuen Bällen und überall nette Menschen. Auf dem Parkplatz waren die in der Region auf Topplätzen üblichen Luxusbusse, die die Japaner und Amerikaner von Platz zu Platz kutschierten. Am ersten Tee war schon Andrang. Vor uns eine große Gruppe mit 3 Flights. Der Caddiemaster stellte sich vor und machte mich mit Andrew, meinem Caddie, bekannt. Andie war Anfang 20 und machte eine verletzungsbedingte Pause von seiner grade begonnenen Karriere als Playing Pro in den USA. Er hatte sich beim Golf die Hand gebrochen ( :-( ) und hat noch ein paar Wochen Spielverbot. Um etwas Geld zu verdienen, trägt er die Bags von Touristen wie mir. Andie war nett, geduldig, hatte Humor und war eine echte Hilfe auf der Runde. Kann ich nur empfehlen, so etwas mal zu versuchen. Zudem hat man immer jemamden, der auch Gruppenfotos macht... So ein Caddie macht Spass und kann Schläge sparen. Ich werde ab Herbst mal schauen, was seine Karriere auf den drittklassigen Pro-Touren im Osten der USA macht (googlen nach Andrew Weir).

Der Abschluss. Loch 18. Der Schlag zum Grün kommt von links.
Der Platz selber erfüllte alle hohen Erwartungen. Ein Loch schöner als das andere. Bei wenig Wind kann man hier richtig niedrig scoren. Das sieht man auch immer im Herbst bei den "Dunhills". Wenn kein Wind ist, gibt es dort die niedrigsten Scores. Der Platz hat zwar Unmengen von Bunkern. Aber die sind alle fair plaziert. Ich war, glaube ich, nur in einem... Der Platz ist voll mit großartigen Löchern, wenn man Linkskurse liebt, so wie ich. Die schönsten Löcher waren für mich:
  • die Löcher 12 (tolles Par 5 an der Nordsee entlang),
  • die 15 (ein tolles Par 3 mit Bäumen links und der See rechts. Dazu als Ziel eine Art Halbinselgrün)
  • die 18 (eines der besten Abschlusslöcher, die ich bisher kenne. Blinder Abschlag und dann von einem bergab Fairway hinauf auf ein von einem Burn geschätztes Grün). Klasse!
Ach ja. Es war für mich der teuerste Platz, den ich bisher in meiner Karriere gespielt habe. Wir haben für die Runde 185 Pfund gezahlt. Und das auch nur, weil ich unbedingt vor dem 01.05. spielen wollte. Danach kostet es dann 215 Pfund für 18 Loch. Der Caddie kostete nochmal 40 Pfund plus Tip. Wenn man mich nun fragt, ob es das viele Geld wert war? Ich denke ja. Das Geld überlebe ich, aber die schönen Erinnerungen bleiben für ewig!

Fazit: Teuer, aber großartig! Wenn man sich mal was gönnen möchte.

Reisegolfer-Rating: 9

Link zur Website

P.S.: Die Anlage hat keine Mitglieder. Alles rein kommerziell. Nur die 25 Landwirte, die damals das Land für den Platz verkauft haben, haben regelmässiges Spielrecht.

Samstag, 10. Mai 2014

Anstruther Golfclub - Beim schwersten Par 3 in Grossbritannien

Ein 9 Loch Platz ist immer ein netter Einstieg, wenn man frisch an einem Urlaubsort angekommen ist. Für unsere Home of Golf Tour entschieden wir uns daher für Anstruther. War von St. Andrews in knapp 10 Minuten zu erreichen und motivierte mich natürlich, weil das dortige Loch 5 im Jahre 2007 von den Lesern der Zeitschrift "Todays Golfer" zum "Toughest Par 3 in UK" gewählt wurde.

Das Mahnmal am Grün der 2
Wir also ohne Anruf hin, da wir hofften, dass am frühen Nachmittag die Medalturniere, die in fast jedem Club in UK Samstags stattfinden, vorbei waren. Leider erhielten wir an der Bar, wo das Greenfee gezahlt wurde, die Auskunft, dass der Platz erst ab 15.00 Uhr wieder frei sei. Hätte ich mir auch denken können, da die Mitglieder den Platz ja 2mal gehen mussten für die 18 Loch Runde... Wir also wieder zurück, alles am Haus ausgepackt und dann wieder an die Bar zum zahlen. Wir sollten nur auf ein Match achten, welches wir auf der Runde bitte durchlassen sollten.

Blick auf Loch 6
Anstruther wurde 1890 gegründet und man startete 1891 auf einem 7 Loch Platz am heutigen Ort. 2 Jahre später bekam man das Land, auf dem sich heute die 1 und die 9 befinden, dazu und der Platz wurde auf 9 Loch erweitert. Im Laufe der Jahrzehnte erlebte der Club viel auf und ab (im 2. Weltkrieg wurde der Platz u.a. gesperrt und mit spitzen Pfählen versehen, weil man Angst hatte, dass deutsche Luftlandetruppen dort runterkommen könnten...). Es gab zwar immer Ideen, den Platz auf 18 Loch zu erweitern, aber das scheiterte meist am Geld.


Der Kurs ist sehr schön auf den Klippen westlich vom Hafen Anstruther gelegen und bietet teils tolle Aussichten. Höhepunkt sind aber die 3 Par 3 der Löcher 5 bis 7. Wobei das Loch 5 ("the Rockies") als schwerstes Par 3 in Uk natürlich herausragt. Es macht Spass, 3 Par 3 nacheinander zu spielen, wenn diese landschaftlich so aussergewöhnlich gelegen sind. Dazu muss man wissen, dass der Fife Coastel Path direkt über die Löcher 5 und 6 verläuft, was für einen Golfer aus Deutschland erstmal gewöhnungsbedürftig ist.

Irgendwie kann ich mir das schwer bei uns vorstellen
Das angekündigte Match hat uns übrigens auf Loch 2 überholt und hatte so ein Tempo (wir haben zu viele Bilder und Filme gemacht), dass die uns an Loch 9 fast zum zweiten Mal überholt hätten. So ist das halt mit den langsamen Urlaubsgolfern aus Germany...

Fazit: Der Platz darf in keiner Playlist für eine St. Andrews Tour fehlen. Hier kann man noch richtig Spass haben. Und schnelle 9 Loch gehen immer...

Reisegolfer-Tipp: Für ein traditionelles Essen nach der Runde ist die prämierte Anstruther Fish Bar im Hafen eine gute Wahl. Da wird klassisches Fish & Chips von netten Damen in Schwesterntracht (naja. oder so ähnlich aussehend) serviert.

Reisegolfer-Rating: 3

Mittwoch, 21. August 2013

Dundonald Links

Als dritten Kurs unseres Kurztripps nach Ayrshire hatten wir uns aus zwei Gründen für Dundonald entschieden. 1.) es ist ein Linkskurs, der auf meiner Küchenliste verzeichnet ist und 2.) kann man den Platz auch Samstags spielen. An den ersten beiden Tagen hatten wir mit dem Wetter ja einigermassen Glück gehabt. Ein paar Tropfen am Anfang in Prestwick, aber ansonsten meist Sonne. Das sah am Samstagmorgen etwas anders aus. Regen, Regen, Regen. Aber wir hatten ja unsere Startzeit und hofften auf unser Glück. Zudem sah es auf dem Regenradar von BBC Weather aus, als ob es irgendwann am Vormittag aufhören könnte.


Auf jeden Fall kamen wir pünktlich im Nieselregen an. Alles ganz freundliche Menschen dort und man bot uns auch an, etwas zu warten und späten zu starten. Aber wir waren dann heiß und das Whiskytasting am Nachmittag wartete ja auch noch. Nach den letzten Tagen brauchte ich dann doch mal ein paar Bälle und entschied mich für das Sonderangebot an Srixon Bällen. Beim Auspacken merkte ich dann, dass eine Packung fehlte. Die Dame am Tresen war dann aber so aufgeregt, dass sie mir aus Versehen eine Packung richtig teurer Logobälle gab. Aber auch die kann ich ich ohne Probleme verspielen.


Der Starter erklärte uns den Kurs, etwas Geschichte und los ging es. Loch 1 war ein gut gestaltetes Par 4, welches je nach Wind, simpel oder herausfordernd ist. Wir spielten gegen den Wind und den Nieselregen und ich war glücklich mit meinem Bogey zum Start. Das nächste erwähnenswerte Loch war die 6. Ein nettes Par 3, bei dem man sehr präzise spielen musste. Kurz, aber mit interessantem Grün. Die 9 war dann ein schöner Abschluß für die erste Hälfte. Leider bin ich dort an mir und dem hoch gelegenen Grün gescheitert.


Die zweiten 9 waren die für mich spannenderen Löcher. Richtig gut fand ich die Löcher 11 bis 13. Die 11 ist das Signature Hole des Platzes (schweres Par 3) und bei den nächsten beiden Löchern spielt man sich dann in Richtung See (wobei zwischen dem Platz und dem Meer noch Western Gailes liegt). Zum Finale gab es dann ein Par 5, bei dem man das Grün über einen Wassergraben anspielen musste. Welches kein Problem für den defensiven Spieler ist, aber für mutigere Naturen doch ein (für mich) unüberwindliches Hindernis ein kann.


Dundonald ist ein ganz toller, wenn auch noch junger, Golfplatz. Es handelt sich um die Pay&Play Tochter von Loch Lomand. Architekt war Kyle Phillips (u.a. auch Kingsbarns). Nett fand ich, dass man fast immer mit seinem Loch alleine war. Man sah nur selten andere Spieler, da der Blick zu Nachbarlöchern meist durch (künstliche) Dünen versperrt war. Vom Ergebnis her war der Tag für mich schrecklich. Aber da ich gelernt habe, mit so etwas umzugehen, hatte ich viel Freude. Ach ja. Die Sonne kam ab Loch 5 auch wieder raus... Und das Whiskey Tasting am Nachmittag war auch nicht schlecht.

Fazit: Sehr guter Golfplatz, den man unbedingt in seine Tour in Ayrshire einbauen sollte

Reisegolfer-Rating: 6

Link zur Website
Dundonald

Montag, 12. August 2013

The Prestwick Experience

Als Teil der Tour in Ayrshire wollte ich natürlich auch am Geburtsort der British Open eine Runde spielen. Auf dem Old Course in Prestwick. Und da man dort nicht immer hinkommt, habe ich sofort die angebotene "Experience" gebucht (wird immer Dienstags und Freitags angeboten). Diese beinhaltete ausser der Runde am Vormittag ein Lunch im Dining Room. Ich hatte also den klassischen britischen Golftag gebucht.

So sollte man die 1 spielen...
Aber von Anfang an. Da wir knapp 400 Meter vom Clubhaus entfernt wohnten, fuhren wir als sportliche Golfer natürlich mit dem Auto zum Club... Dort angekommen, meldeten wir uns zuerst an und zogen uns danach unsere Schuhe an (natürlich nicht auf dem Parkplatz, sowas machen nur Kulturbanausen...). Selbstverständlich gab es auch hier nicht die Range in der Nähe des Clubhauses. Sowas brauch hier anscheinend keiner. Daher fiel auch diesmal das Einschwingen aus und es bleiben nur ein paar Putts und das aufwärmen a la Jiminez.

Die Cardinal Bunker. Man musste von rechts nach links spielen...
Vor dem ersten Schlag wurde vom Club das obligatorische Erinnerungsfoto unter der Uhr des Clubhauses gemacht und nach kurzer Einweisung ("don't use your driver for the first shot") begann die Runde auf einem der berühmtesten Anfangslöchern weltweit. "Railway"! Links und vor uns Rough und rechts bis zum Grün die Schienen der Strecke Ayr-Glasgow, die natürlich Aus waren. Die Landezone war fair, aber doch irgendwie klein. Mit zwei sauberen Eisenschlägen ist man aber doch auf dem Grün. Nach einem kurzen Par 3 ging es dann zu einem weiteren Klassiker. Loch 3. Cardinal. Ein Par 5, bei dem man beim ersten Mal extreme Probleme hat zu wissen, wo man hinzielen soll. Zudem begann dort auch ein Schauer. Die Schwierigkeit waren die riesigen Bunker, die man mit dem zweiten Schlag überqueren musste. Zudem sah man sein Ziel überhaupt nicht. Da hätte uns ein Caddy sicher geholfen... Tolles Loch auf jeden Fall. Beim nächsten Mal wird es leichter...

Der Sahara Bunker vor dem Grün der 17
Über das Himalaya (Loch 5, Par 3 blind über ein Reisendüne) und viele weitere wunderbare Linkslöcher ging es dann mit Loch 14 wieder Richtung Clubhaus. Aber es war noch nicht zu Ende. Es kam ja noch ein weiterer Klassiker. "The Alps". Loch 17. Mittellanges Par 4, bei dem man mit dem zweiten Schlag über eine sehr hohe Düne das Grün anspielen musste. Damit war es aber noch nicht genug. Hinter der Dünde und vor dem Grün war noch ein Bunker mit dem Namen "Sahara". Man kann sich die Größe dieses Sandkastens grob vorstellen. Nach dem netten Abschluß mit der kurzen "Clock" (Par 4 284 Yard) ging es dann unter die Dusche.

Der zufriedene Reisegolfer beim Käse...
Selbstverständlich kommt hier keiner auf die Idee, nach einer Runde mit Golfklamotten essen zu gehen. Nein. Hier hat man Stil. Sakko und Krawatte ist Pflicht beim Mittagessen. Für die Damen ist ein dezentes Kleid ausreichend. Vor dem Essen nimmt man aber noch seinen Aperitiv zu sich. In Prestwick ist ein Kümmel das beliebteste Getränk (auch interessant. Oder?). Das Essen im Dining Room war dann wirklich klasse. Man hatte die Wahl zwischen 3 Vorspeisen und 3 Hauptspeisen gefolgt von leckeren Dessert und grandiosen britischer Käseauswahl. Alles von sehr guter Qualität und strafte alle Lästerei über die miese britische Küche Lügen. Wir waren richtig glücklich und gönnten uns nach dem Lunch noch einen Kümmel zum Kaffee. Ach ja. Das ganze Clubhaus ist für einen wie mich eher ein Museum, als ein Treffpunkt für Mitglieder eines Golfclubs... Es war also eine rundum gelungene "Experience". Gerne wieder!

Fazit: Tolles Erlebnis. Klasse Golfplatz. Wenn dort, dann auch die Experience buchen. Ist den Mehrpreis wert.

Reisegolfer-Rating: 8

Link zur Clubwebsite

Prestwick Experience

Donnerstag, 1. August 2013

Turnberry Ailsa

Im Juni ergab sich für mich die Möglichkeit, spontan einen Kurzausflug zu machen. Die Reisegolferin war beruflich unterwegs und ich habe dann einfach mal geschaut, wo man so hin kann und wo ich noch nicht war. Ein Blick auf meine Küchenkarte mit den Top 100 Kursen der britischen Inseln brachte dann eine schnelle Lösung meiner Überlegung. Ayeshire in Westschottland hatte noch keine "Erledigt-Haken". Also schnell einen Flug gebucht und dann bei einem örtlichen Anbieter (Ayrshire Golf Tours) eine Tour mit 3 Nächten und 3 Plätzen angefragt. Einen Tag später hatte ich die Bestätigung und die Detailplanung konnte beginnen.

Das Resort
Der erste Platz unserer Tour war dann auch gleichzeitig einer der Höhepunkte, was meine bisher gespielten Golfplätze angeht. Turnberry! Der Kurs war Schauplatz von bisher 4 British Open (mit dem unvergesslichen Duel in the Sun 1977) und 6 Senior Open. Zudem war er auf meiner Küchenliste an Nummer 1 gelistet. Da unser Flug früh genug war, hatten wir genügend Zeit mit der Anfahrt zum Platz. Turnberry liegt etwa 30 Minuten südlich der Hauptorte in Ayrshire (in unserem Fall von Prestwick, wo wir unser Hotel bezogen hatten). Also etwas ausserhalb. Natürlich hätte man auch in dem Resort dort übernachten können, aber das war mir doch etwa zu teuer.

Loch 6, Par 3 (blöder Bunker rechts...)

Am Starterhaus wurden wir von Malcolm empfangen. Ein netter älterer Herr, der geübt darin war,  mit den Touristen einen Schnack zu halten und gleichzeitig Empfehlungen für den Abschlag herauszufinden (versteckte Frage nach der Spielstärke und netter Hinweis, dass Abschlag X (es gab 3 für Herren) für viel Spass sorgen werden. Also richtig gut.

Blick vom Championship Abschlag der 9
Der Platz selber war ein Traum. Ein lockerer Anfang mit einem mittleren Par 4, welches rechts sehr stark mit Ginster bestückt war wurde von immer schwereren Löchern gefolgt. Und alle Löcher sahen vom Abschlag immer einfacher aus, als sie in Wirklichkeit waren. An einigen Löchern (und vor allem den Bunkern) bin ich fast verzweifelt. Aber es war schön und ich hatte Freude! Und darum geht es ja. Oder?
Loch 10. Dinna Fouter
Die Qualität der Löcher erhöhte sich im Laufe der Runde. Hohe Dünen, gut platzierte Bunker und ganz tolle Grüns. Visuelle Höhepunkte waren auf jeden Fall die Löcher um den Leuchtturm herum (Löcher 9-11). Wirklich schön. Ich hatte einen kleinen "Höhepunkt" bei dem Blick. Mein persönlicher Favorit, was die Löcher angeht, war auf jeden Fall die 16 (Wee Burn). Dabei empfindet man den Bach gar nicht als so klein, wenn man drin liegt...

Grün der 16. Wee Burn. Man sollte das Grün schon im hinteren Berech treffen...
Nach dem schönen Abschluß auf der 18, war das Kaltgetränk nach der Runde echt verdient. Die Bar und das Restaurant lohnen sich allein wegen des Ausblicks und der ganzen Fotos im Flur. Und der Preis war vollkommen in Ordnung. 99 Pfund Twilight Rate für so einen Platz war klasse.

Ach ja. Grossartig ist es auch, wenn man aus der Ferne den Dudelsackpfeifer hört, der immer zwischen 18:30 und 19:00 Uhr vor dem Hotel aktiv ist...

Fazit: Muss man unbedingt spielen

Reisegolfer-Rating: 9,5 ( :-) )

Turnberry

Donnerstag, 21. Juli 2011

Duff House Royal

Das Ende unserer Reise ist nun schon etwas länger her und langsam bekomme ich Probleme, aufzuholen. Nun also zum letzten gespielten Kurs unserer Schottlandtour. Duff House Royal. Der Kurs kam auf die Liste, weil nicht mehr alle Teilnehmer der Tour Golf spielten wollten (es war der 8. Platz in 8 Tagen) und weil es der Platz war, der mit am nächsten zu unserem Haus gelegen war. Wir hatten den Kurs schon mehrfach auf unseren Touren passiert und die einhellige Meinung war dann immer. Na ja. Ganz schön flach. Und Parkland. Und Parkland war eigentlich nicht das Ziel unserer Reise. Letztendlich sind wir dann aber doch auf dem Platz gelandet.


Der Club wurde 1910 gegründet. Grund für den Bau des Platzes an dem jetzigen Standort war der Herzog von Fife. Er war der Meinung, dass es den Orten gut tun würde, wenn sie einen Golfplatz bekommen würden und stellte das Land dafür zur Verfügung (The Duff House Golf Club came into existence following a gift of land to the towns of Banff and Macduff by the then Duke of Fife following his concern at “the want of ground for golf and other recreational sports"). Klasse Idee finde ich! Sollten sich Menschen mit zuviel Geld ein Beispiel dran nehmen. Der Platz in seiner jetzigen Form entstand 1923. Architekt war kein anderer als Alistair Mackenzie. Das ist der mit Augusta National, Cypress Point und Royal Melbourne. Also ein Grund mehr, den Kurs zu spielen. Ich muss sagen, der Mann hat aus relativ mässigen Möglichkeiten viel gemacht. Das Gelände ist sehr flach und Anfangs waren dort auch keine Bäume. Was aber den Reiz des Platzes ausmacht, ist die Platzierung der Bunker und die Grüns. Alleine deswegen hat sich für mich die Runde gelohnt. Mit dem Wetter hatten wir dann auch wieder mal Glück. Der Regen (siehe Foto unten) zog an uns vorbei. Und wir hatten sogar wieder etwas Sonnenbrand...


Fazit: Wenn man in der Gegend ist und man mal einen guten Parklandplatz spielen möchte, dann sollte man hier unbedingt hin. Greenfee war mit 30 Pfund auch human.

Reisegolfer-Rating: 4

Duff House Royal

Donnerstag, 14. Juli 2011

Fraserburgh Golfclub

Wenn zur Zeit Leute über Linkskurse reden, dann ist es Royal St. George's in Kent. Dort finden zur Zeit die British Open statt. Sicherlich ein klasse Linkskurs. Vielleicht spiele ich ihn auch irgendwann nochmal. Mir ist er aber eigentlich etwas zu teuer. Ein preislich attraktiverer, klassischer Linkskurs, den wir auf unserer Schottlandtour spielen durften, befindet sich knapp 1000 Kilometer weiter nördlich. Fraserburgh Golfclub.


Der Club ist nach eigener Aussage der siebtälteste Golfclub der Welt. Dokumente darüber liegen im British Golf Museum in St. Andrews. Der jetzige Platz wurde in seiner heutigen Form 1922 von James Braid designed. Es ist ein klassischer Linkskurs. Das Meer ist immer nebenan. Man sieht es aber nur vom Abschlag der 3 und der 4. Der Kurs befindet sich mitten in den Dünen und bietet unheimlich viel Abwechslung. Mir persönlich gefielen die Par 3 und die kurzen Par 4 sehr gut. Auch wenn wir mit dem Wetter nicht so viel Glück hatten (der einzige Regentag), fand ich den Platz richtig toll. Während der Runde war es zum Glück meist trocken.


Fazit: Wer beipielsweise Cruden Bay spielt, sollte Fraserburgh auf keinen Fall auslassen. Der Kurs war schwer, aber fair.

Reisegolfer-Rating: 6







Fraserburgh

Montag, 11. Juli 2011

Cullen Golfclub

Wen man einen Golfurlaub plant und dort auch tolle Plätze spielen möchte, weiss man, dass dies seinen Preis hat. Einen der großen Namen zu spielen, kostet überall richtig Geld. Bei unserer Tour in den Nordosten Schottland haben wir dieses Mal versucht, eine gute Mischung hinzubekommen. Nairn und Cruden Bay und dazu noch einige günstige Kurse, die in der Nähe erreichbar waren. Cullen fiel in die zweite Kategorie.


Der Platz fiel mir in dem Buch mit den "most extraordinary Golfcourses" auf. Dort war ein Foto der 12 abgebildet (in dem Buch auf Rang 13). Und noch von zwei anderen, die spektakulär aussahen. Also musste der Kurs gespielt werden. Preislich war er auch attraktiv. 18 Pfund für 18 Loch ist fair. Da kann man nichts verkehrt machen. Der Club ist schon etwas älter. Der erste 9-Loch Platz wurde von Old Tom Morris entworfen. Was für mich schon eine Kunst an sich ist in diesem Gelände. Der Kurs ist am Strand, aber es ist kein Linkskurs. Auf dem Kurs sind interessante Felsformationen, deren rote Farbe gerade im Abendlicht sehr beeindruckend aussieht. Der Platz ist mit 4600 Yards für Herren sehr kurz (ca. 4050 Meter von Weiß) und hat Par 63. Also sehr viele Par 3 (zehn). Und sogar ein Par 5 hat man unterbringen können (die 15). Sicher ist dies kein Platz für den sportlichen Golfer, für den die langen Schläge das wichtigste sind. Er ist aber ein tolles Erlebnis. Man hat großartige Ausblicke, viele blinde Löcher und sehr viel Spass. Wenn das Wetter mitspielt, ist dies purer Spass für den geniessenden Golfer.


Fazit: Unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis und viel Spass. Wer in Cullen ist, sollte danach unbedingt "Cullen Skink" probieren. Dies ist eine Fischsuppe, die ähnlich wie eine New England Clam Chowder ist. Aber eben nur ähnlich.

Reisegolfer-Rating: 4 (davon 2 Bonus für Spass und Ausblick)

Cullen

Mittwoch, 29. Juni 2011

Cruden Bay

Das wird jeder sicher schon mal erlebt haben. Man plant eine Reise und auf einen bestimmten Teil der Reise freut man sich ganz besonders. So war es bei mir mit Cruden Bay. Der Kurs ist in verschiedenen Ranglisten recht hoch bewertet. Aber was mir wirklich Lust machte, waren die Kommentare von "normalen" Leuten, die den Platz schon gespielt hatten. Da gibt es z.B. den Top 100 Golfer, der sich vorgenommen hat, die Top 100 Plätze der Welt zu spielen und darüber zu bloggen (er ist fast fertig). Oder auch die Kommentare auf der UK Top 100 Seite. Da kann man halt nicht anders, als Vorfreude zu erzeugen.

Blick vom Abschlag der 5

Wir also früh morgens los bei tollem Wetter. Sonnenschein und blauer Himmel. Der für später vorhergesagte Regen wurde erstmal komplett ignoriert. Als ich dann um 09.30 am Abschlag der 1 stand, war ich einfach nur glücklich. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Platz wurde 1899 von der GREAT NORTH OF SCOTLAND RAILWAY COMPANY zusammen mit einem Hotel gebaut. Für das Design wurden Old Tom Morris und Archie Simpson engagiert. Mitte der 20er wurden dann von Tom Simpson und Herbert Fowler einige Änderungen vorgenommen. Seitdem hat sich kaum etwas geändert. Nur dass das Hotel in den 50ern abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. Der Platz für sich ist einfach klasse. Durch hohe Dünen führend bietet er alles, was man bei einem Golfplatz lieben kann. Es gibt schwere Par 4 über 400 Meter. Par 4, bei denen man das Grün mit dem Abschlag erreichen kann, klasse Par 3 und zwei (echt nur 2) schöne Par 5. Man hat hohe Dünen, Ginster, Burns, tolle Aussichten, schnelle Grüns und blinde Schläge. Was eben zu einem echten Linkskurs gehört. Nun kommen vielleicht Kritiker, die sagen, blinde Schläge gehören nicht zu einem Golfplatz. Ich gehöre aber zu denen, die auch Bälle verlieren, wenn sie genau sehen wo sie hinflogen. Und Überraschungen (oh, der Ball ist neben der Fahne) mag ich auch. Es war also ein unbeschreibliches Erlebnis.

Blick zurück vom Abschlag der 9

Fazit: Wenn man irgendwo in Nordschottland hin muss, dann nach Cruden Bay. Ach ja. Irgendwann kamen die Wolken, aber von richtigem Regen sind wir verschont geblieben. Erst als wir noch eine 9-Loch Runde auf dem St. Olaf Course gerade beendeten, fing es an.

Reisegolfer-Rating: 9

Cruden Bay